Stiftung Ernährung und Diabetes, Bern

Insulin im Vergleich im Schlaflabor

Hintergrund zur Studie
Fragestellung
Zusammenfassung
Grafische Darstellung der Resultate
Referenzen

Originalpublikation 1998: Roth C et al.: Human Versus Porcine Insulin in Patients with Insulin-dependent Diabetes Mellitus: Differences in Sleep and the Sleep EEG During Near-Normoglycemia. SLEEP 1998, Vol. 21; No 1: 92 - 100.


Hintergrund der Studie

Humaninsulin (HI) unterscheidet sich von porcinem Insulin (PI) nur durch eine von 51 Aminosäuren, die letzte, Threonin, ist ersetzt durch Alanin. Es liegen Berichte und Untersuchungen über unterschiedliche Hypo-Symptome und das Auftreten schwerer Hypoglykämien seit der Einführung von Humaninsulin vor. Insulinproblematik Das Schlaf-EEG ist ein sensitiver Indikator für pharmakologische Wirkungen auf das zentrale Nervensystem. [1, 2]

Fragestellung

Gibt es Unterschiede in der Wirkung von HI und PI auf den Schlaf und das Schlaf-EEG?

Zusammenfassung

Acht insulinabhängige Diabetiker und Diabetikerinnen (IDDM) wurden wegen schwerer "human insulin (HI) hypoglycemia unawareness" zwischen 1986 und 1987 auf porcines Insulin (PI) umgestellt.

Sie willigten 1996 in eine offene Studie im Schlaflabor zur Untersuchung der Gehirnfunktion während je 2 Nächten unter PI, HI und erneut PI ein.

n = 8
Alter ∅ 39.4 ± 2.1 J [SEM]
Diabetesdauer ∅ 21 ± 3.6 J [SEM]
HbA1c ∅ 7.7 ± 0.5 %
C-Peptid < 90 pmol/l
keine Langzeitkomplikationen

Die Untersuchung erfolgte unter Normoglykämie vor Schlaf (HI: ∅ 8.8 ± 1.1; PI: ∅ 7.0 ± 0.7), während (HI: ∅ 8.0 ± 1.9; PI ∅ 6.6 ± 0.6) und nach Schlaf (HI: ∅ 9.8 ± 1.6; PI ∅ 7.9 ± 1.0).

Resultate: Die Blutzuckerwerte unterschieden sich nicht. Das Schlaf-EEG zeigte im 14-Hz-Frequenzbereich der Schlafspindeln im nonREM Schlaf einen Abfall der spektralen Leistungsdichte von porcinem auf humanes Insulin (p < 0.0007), und einen Wiederanstieg beim Wechsel von humanem auf tierisches Insulin (p < 0.047). Unter tierischem Insulin wurde die Schlafqualität von den Probanden und Probandinnen als besser beurteilt.

Grafik: EEG-Dichte unter porzinem Insulin (P) in % von Humaninsulin (H=100%) von 8 Versuchspersonen

Grafik

Schlussfolgerung: PI und HI könnten unterschiedliche Auswirkungen auf spindelproduzierende Mechanismen im thalamocorticalen System haben.

Die Resultate weisen darauf hin, dass unter nicht-hypoglykämischen, normnahen Blutzuckerbedingungen die Gehirnfunktionen durch HI und PI unterschiedlich beeinflusst werden, was eine verminderte oder veränderte Wahrnehmung auch der Hypoglykämiesymptome unter humanem Insulin erklären könnte.

Referenzen:

Studie publiziert in Sleep. 1998;21(1):92-100. C. ROTH (1), H.P. LANDOLT (1), P. ACHERMANN (1), A. TEUSCHER (2) und A.A. BORBÉLY (1)
1) Pharmakologisches Institut, Universität Zürich 2) Diabeteszentrum Lindenhof, Bern

1 Borbély AA, Mattmann P, Loepfe M, Fellmann I, Gerne M, Strauch I, Lehmann D. A single dose of benzodiazepine hypnotics alters the sleep EEG in the subsequent drug-free night. Europ J Pharmacol, 1983; 89: 157-161
2 Landolt HP, Roth C, Dijk DJ, Borbély AA. Late afternoon ethanol intake affects nocturnal sleep and the sleep EEG in middle aged men. J Clin Psychopharm 1996; 16: 428-436

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