Projekt Dar es Salaam
von Arthur Teuscher und Karin Wiedenmayer, 2003
Dezentralisierte Diabetesbehandlung mit einem Cost-Sharing Projekt in
Dar es Salaam, Tansania (1995-2002) und
Insulinversorgung 2003ff. in Entwicklungsländern
Einleitung
Diabetes ist keine Wohlstandserkrankung, sondern gewinnt auch in ärmeren
südlichen Ländern immer mehr an Bedeutung. Man geht davon aus,
dass heute auf die Gesamtbevölkerung von Tansania 0.5 % insulinabhängige
Typ 1 und 3 bis 5 % nicht insulinabhängige, aber zur Hälfte insulinbedürftige
Typ 2 Diabetikerinnen fallen.
Zwei Insulintypen - ein rasch-
und ein langsam wirkendes Insulin
- und zwei unterschiedlich
wirkende orale Antidiabetika für 50% der Typ
2 Diabetikerinnen ermöglichen eine befriedigende Therapie der diabetischen
Bevölkerung in Tansania.
Diabetes wurde aus unterschiedlichen Gründen 1995 nicht auf die
Liste jener Krankheiten gesetzt, deren Behandlung der tansanischen Staat
unterstützt. Das Versorgungsprinzip basierte auf einer zentralisiert
organisierten Verwaltung und Unterstützung von Sponsoren aus dem
pharmazeutischen Bereich.
Im Jahr 2002 wurde das von der Stiftung Ernährung
und Diabetes Bern 1995 initiierte Cost-Sharing Projekt Diabetes in das
staatliche Dar es Salaam Urban Health Project DUHP integriert, dank enger
Zusammenarbeit auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.
Konzept
Da die Versorgung der Diabetikerinnen in Dar es Salaam praktisch fehlte,
führten die Stiftung für Ernährung und Diabetes Bern, das
Schweizerische Tropeninstitut und der City Council Dar es Salaam
ein gemeinsames Projekt durch mit dem Ziel, die Diabetesbehandlung und
die Schulung der Diabetesteams von drei Distrikten zu verbessern und die
Verfügbarkeit von Insulin und oralen Antidiabetika zu sichern.
Das Projekt wurde schrittweise in das Gesundheitssystem von Dar es Salaam
integriert, um so die Nachhaltigkeit der Massnahmen zu sichern. Von Anfang
an war eine finanzielle Mitbeteiligung der Patienten (cost-sharing) vorgesehen, um nach
Projektabschluss eine finanziell tragbare Basis zu garantieren. Eine zentrale
Voraussetzung für die Versorgung der Diabetikerinnen ist, dass langfristig
kostengünstiges, gut wirksames, haltbares und sicheres Insulin, aber
auch die kostengünstigeren oralen Antidiabetika verfügbar bleiben.
Daher wurde die Versorgrung unabhängig von Sponsoren geplant.
Finanzierung und Vertrieb
Die Projektdauer wurde ursprünglich auf fünf Jahre festgesetzt (1995-2000). Im
ersten Jahr wurden 150 insulinbedürftige Typ 1 und 600 Typ 2 DiabetikerInnen
versorgt. Heute, im 8. Projektjahr sind es bereits ca. 1800 insulinbedürftige
und ca. 3800 Typ 2 Zuckerkranke. Die Kosten wurden im ersten Jahr zu 80
Prozent von der Stiftung Ernährung und Diabetes und zu 20 Prozent von
den Patienten übernommen. 2002 betrug die Kostenbeteiligung der
Patienten beim Insulin 50%, während für die oralen Antidiabetika
eine Pauschale verrechnet wurde.
Die Stiftung Ernährung und Diabetes übernahm
bis 1999 die Beschaffung und Finanzierung von sicherem und kostengünstigem
Insulin aus Indien, später von einem europäischen Hersteller
zu einem guten, dem internationalen Niveau entsprechenden Preis.
Heute wird der Import der Medikamente
zentral über das Medical Stores Department (MSD) abgewickelt.
Dieses effiziente Versorgungs-Management führte zu einem
besseren Einsatz der Ressourcen. Die Verteilung der Medikamente wurde den
Apothekern übergeben. Es erwies sich als Nachteil, dass diese zu Beginn
nicht in das Projekt einbezogen waren. Dies erfolgte erst Ende 1997. Die
Apotheker übernahmen in eigener Verantwortung die Bedarfsabklärung,
Beschaffung, Aufbewahrung und Verteilung von Insulin und oralen Antidiabetika,
die Dokumentation und die Kontrolle der Einnahmen. Da die
Buchhaltung der Apotheken am Anfang teilweise mangelhaft war, wurde ein
standardisiertes Buchhaltungssystem eingeführt und dessen Einsatz besser überwacht.
Die Distriktapotheken beliefern die Spitäler.
Die Spitalapotheker
sind für eine sachgerechte Lagerung verantwortlich, was dank einem
funktionierenden Kühlschrank in jedem Spital möglich ist.
Im Rahmen des Projektes wurden ausschliesslich tierische Insuline
verschrieben, da die Kosten für synthetisches Humaninsulin das Zehnfache
betragen. Zudem führt das sog. Humaninsulin häufig zu schweren
Hypoglykämien. Blutzuckerselbstmessungen sind aus finanziellen Gründen
nicht möglich. So verzeichnete das Muhimbili University Hospital
2-3 mal häufigere Hospitalisationen mit Humaninsulin im Vergleich
zu tierischem Insulin.
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