Stiftung Ernährung und Diabetes, Bern

Hypoglykämien (nicht) spüren

Zeichen einer Hypoglykämie

Die Warnzeichen, welche eine Hypoglykämie ankünden, sind individuell verschieden. Jede Diabetikerin und jeder Diabetiker muss ihre oder seine individuellen Zeichen kennen. Manche Symptome werden auch zuerst vom Umfeld (Familie, Arbeitskollegen...) erkannt. Mögliche Symptome sind:
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Hunger
  • Herzklopfen
  • Beklemmung
  • Frösteln
  • Hitzewallungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Verwirrung
  • Benommenheit
  • Schwindel
  • Lallen oder Stammeln
  • Kopfschmerzen
  • Kribbeln
  • Körperliche Schwäche
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • Kognitive Störungen
  • Niedergeschlagenheit
  • Verhaltensstörungen wie z.B.
    Aggression, unmotiviertes Lachen, Gähnen, Verstummen, Fehlverhalten im Strassenverkehr
  • Ohnmacht und Bewusstlosigkeit
  • Krämpfe
  • Eine unbehandelte Hypoglykämie ist lebensgefährlich, insbesondere im Strassenverkehr. Diabetikerinnen und Diabetiker unter Hypoglykämie verhalten sich manchmal seltsam, was ihr Umfeld stark belasten und ihnen einen Teil ihrer Selbständigkeit nehmen kann.

    Typische Auslöser für Hypoglykämien

    • Mahlzeit ausgelassen oder zu langer Spritz-Ess-Abstand. Vorbeugung: Tagsüber alle 3 Stunden essen, Insulin / orale Antidiabetika und Ernährung immer aufeinander abstimmen. Bei Durchfall oder Erbrechen Blutzucker gut überwachen.
    • Überdosis blutzuckersenkender Medikamente. Prävention: Dosis anpassen, Insulin gegebenenfalls mehr aufteilen (z.B. 3 mal täglich statt 1 mal täglich spritzen). Bei nächtlichen Hypoglykämien Verzögerungsinsulin vor dem zu Bett gehen statt vor dem Nachtessen spritzen (siehe auch Semilente). Spätimbiss mit langsamer Blutzuckerwirkung von einigen Studen zu sich nehmen.
    • Körperliche Aktivität, Sport. Muskelaktivität erfordert Glukose und beschleunigt die Aufnahme des gespritzten Insulins. Zudem erhöht Bewegung (während bis zu 24 Stunden nach Ende der Aktivität!) die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin. Vorbeugung: Zusätzliche Kohlenhydrate einnehmen, Dosis blutzuckersenkender Medikamente anpassen, Blutzucker regelmässig messen (auch nachts).
    • Hitzeeinwirkung (heisses Bad, Saunabesuch), Massage der Einstichstelle und Verdünnen des Insulins beschleunigen die Insulinwirkung.

    Fehlende Hypoglykämiewahrnehmung (Hypoglycaemia unawareness)

    Normalerweise merken DiabetikerInnen, wenn ihr Blutzucker zu tief absinkt und treffen rechtzeitig Gegenmassnahmen. In einigen Fällen ist dies jedoch nicht (mehr) möglich. Man spricht dann von "Hypoglycemia unawareness". Risikofaktoren für das Fehlen oder den Verlust der Hypoglykämiewahrnehmung sind:

    • Ein Versehen beim Insulin Spritzen, z.B. kurz- statt langwirksames Insulin injiziert
    • Eine Hypoglykämie innerhalb der letzten 48 Stunden: Die Drüsen, welche sonst die Hormone (z.B. Glukagon, Adrenalin) ausschütten, die eine Hypoglykämie ankünden und die Gegenreaktion des Körpers einleiten, sind "leer".
    • Häufig (zu) tiefer Blutzucker: Das Alarmsystem kann auch dauerhaft abstumpfen. Dies ist häufiger bei Diabetikerinnen und Diabetikern der Fall, welche eine intensive Diabeteskontrolle anstreben.
    • Lange Diabetesdauer von über 20 Jahren
    • Alter über 65 Jahre
    • Alkoholkonsum in den letzten 12 Stunden: Alkohol hemmt den Abbau von Stärkereserven aus der Leber, der normalerweise einen Blutzuckerabfall bremst. Zudem kann Alkohol die Warnzeichen einer Hypoglykämie maskieren. Dies kann auch beim Konsum anderer Drogen der Fall sein.
    • Interaktionen mit anderen Medikamenten, z.B. Beta-Blockern
    • Unverträglichkeit des verwendeten Insulins, insbesondere nach der Umstellung von tierischem Insulin auf Humaninsulin. Mehr zum Thema Hypoglykämie unter Humaninsulin
    • Konzentration auf etwas anderes (z.B. Auto fahren oder während des Schlafens), Stress und Depressionen

    Hypoglykämien unter Humaninsulin und Analoga

     

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