Hypoglykämien (nicht) spüren
Die Warnzeichen, welche eine Hypoglykämie ankünden, sind individuell verschieden. Jede Diabetikerin und jeder
Diabetiker muss ihre oder seine individuellen Zeichen kennen. Manche Symptome werden auch zuerst vom Umfeld
(Familie, Arbeitskollegen...) erkannt. Mögliche Symptome sind:
|
SchwitzenZitternHungerHerzklopfenBeklemmungFröstelnHitzewallungen
KonzentrationsschwächeVerwirrungBenommenheitSchwindelLallen oder Stammeln
|
KopfschmerzenKribbelnKörperliche SchwächeMüdigkeitSehstörungenKognitive StörungenNiedergeschlagenheit
Verhaltensstörungen wie z.B. Aggression, unmotiviertes Lachen, Gähnen, Verstummen, Fehlverhalten im Strassenverkehr
Ohnmacht und BewusstlosigkeitKrämpfe |
Eine unbehandelte Hypoglykämie ist lebensgefährlich, insbesondere im Strassenverkehr.
Diabetikerinnen und Diabetiker unter Hypoglykämie verhalten sich manchmal seltsam,
was ihr Umfeld stark belasten und ihnen einen Teil ihrer Selbständigkeit nehmen kann.
- Mahlzeit ausgelassen oder zu langer Spritz-Ess-Abstand. Vorbeugung: Tagsüber alle 3 Stunden essen,
Insulin /
orale
Antidiabetika und Ernährung immer aufeinander abstimmen.
Bei Durchfall oder Erbrechen Blutzucker gut überwachen.
- Überdosis blutzuckersenkender Medikamente. Prävention: Dosis anpassen, Insulin gegebenenfalls mehr aufteilen
(z.B. 3 mal täglich statt 1 mal täglich spritzen). Bei nächtlichen Hypoglykämien
Verzögerungsinsulin vor dem zu Bett gehen statt vor dem Nachtessen spritzen (siehe auch
Semilente). Spätimbiss mit langsamer Blutzuckerwirkung von einigen Studen zu sich nehmen.
-
Körperliche Aktivität, Sport. Muskelaktivität erfordert Glukose und beschleunigt die Aufnahme des
gespritzten Insulins. Zudem erhöht Bewegung (während bis zu 24 Stunden nach Ende der Aktivität!)
die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin. Vorbeugung: Zusätzliche Kohlenhydrate einnehmen,
Dosis blutzuckersenkender Medikamente anpassen, Blutzucker regelmässig messen (auch nachts).
- Hitzeeinwirkung (heisses Bad, Saunabesuch), Massage der Einstichstelle und Verdünnen des Insulins beschleunigen die Insulinwirkung.
Normalerweise merken DiabetikerInnen, wenn ihr Blutzucker zu tief absinkt
und treffen rechtzeitig Gegenmassnahmen.
In einigen Fällen ist dies jedoch nicht (mehr) möglich. Man spricht dann von "Hypoglycemia unawareness".
Risikofaktoren für das Fehlen oder den Verlust der Hypoglykämiewahrnehmung sind:
- Ein Versehen beim Insulin Spritzen, z.B. kurz- statt langwirksames Insulin injiziert
- Eine Hypoglykämie innerhalb der letzten 48 Stunden: Die Drüsen, welche sonst die Hormone (z.B.
Glukagon, Adrenalin)
ausschütten, die eine Hypoglykämie ankünden und die Gegenreaktion des Körpers einleiten, sind "leer".
- Häufig (zu) tiefer Blutzucker: Das Alarmsystem kann auch dauerhaft abstumpfen.
Dies ist häufiger bei Diabetikerinnen und Diabetikern der Fall, welche eine intensive Diabeteskontrolle anstreben.
- Lange Diabetesdauer von über 20 Jahren
- Alter über 65 Jahre
- Alkoholkonsum in den letzten 12 Stunden:
Alkohol hemmt den Abbau von Stärkereserven aus der Leber, der normalerweise
einen Blutzuckerabfall bremst. Zudem kann Alkohol die Warnzeichen
einer Hypoglykämie maskieren. Dies kann auch beim Konsum anderer Drogen der Fall sein.
- Interaktionen mit anderen Medikamenten, z.B. Beta-Blockern
- Unverträglichkeit des verwendeten Insulins, insbesondere nach der Umstellung von
tierischem Insulin auf
Humaninsulin. Mehr zum Thema
Hypoglykämie
unter Humaninsulin
- Konzentration auf etwas anderes (z.B. Auto fahren oder während des Schlafens), Stress und Depressionen
Hypoglykämien
unter Humaninsulin und Analoga
|