Stiftung Ernährung und Diabetes, Bern

Ernährung

Das Blutzuckergleichgewicht

Mit dem Essen wird dem Körper lebensnotwendige Energie in Form von Kohlenhydraten, Fett und Eiweissen zugeführt. Nach einer Mahlzeit verdaut der Körper die Nahrung und baut die enthaltenen Kohlenhydrate zu Traubenzucker (=Glukose) ab. Die Glukose gelangt durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf und wird im ganzen Körper verteilt. Die Gewebezellen nehmen diesen Blutzucker mit Hilfe von Insulin auf und oxydieren ('verbrennen') ihn zu Energie.

Insulin wird in den Betazellen des Pankreas gebildet. Nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit steigt der Blutzucker an. Daraufhin setzt das Pankreas Insulin frei. Dieses gelangt in die Blutbahn und über die Leber in den Blutkreislauf. Die Steuerung des Blutzuckergleichgewichts erfolgt über ein Regulationssystem von verschiedenen Hormonen und Nerven. Bei insulinpflichtigem Diabetes muss Insulin unter die Haut gespritzt werden. Insulin sorgt für den Blutzuckertransport in die Körperzellen, z. B. in die Muskelfasern zur Energiebildung, in Leber, Nieren und Muskulatur als Stärkereserve oder in die Fettzellen als Reservefett. Ins Gehirn gelangt Glukose direkt ohne Hilfe von Insulin.

Das Pankreas hat ein zweites Zellensystem, in welchem Verdauungsfermente (Enzyme) gebildet und durch den Pankreasgang in den Darm abgegeben werden. Dort bauen sie Kohlenhydrate zu Zucker und Zuckerarten, Eiweisse zu Aminosäuren und Fett zu Fettsäuren ab.

Bei einem Abfall des Blutzuckers (z.B. durch Fasten oder Medikamente) schüttet der Körper Glukagon aus. Dies bewirkt einen Abbau der Stärkereserven, welche bei einem Glukoseüberschuss wieder aufgefüllt werden. Diese Reserven reichen für ungefähr einen Tag, je nach körperlicher Aktivität. Insulin baut auch Fettsäuren aus der Nahrung zu Körperfett auf. Zuviel Insulin führt zu Übergewicht. Jedes Gramm Nahrungsfett bildet ein Gramm Körperfett. Dieses wird erst zur Energiebildung verwendet, wenn die Stärkedepots im Körper weitgehend abgebaut sind.

Bewusste Ernährung

Die Zusammensetzung des Essens ist entscheidend für die Qualität der Ernährung. Empfohlen wird, einen Anteil von 50-55% der Gesamttagesenergie mit Kohlenhydraten abzudecken, den Fettkonsum auf 25-30% zu beschränken und den Rest (15-20%) mit Eiweiss abzudecken. Dabei spielt wiederum die "Qualität" und Herkunft der Nährstoffe eine wichtige Rolle. Oft wird eine über den Tag angepasste Verteilung der Kohlenhydrate auf mehrere kleine Mengen - z. B. 3 Hauptmahlzeiten, 3 Zwischenmahlzeiten - empfohlen, welche ein zu starkes Ansteigen des Blutzuckers vermeidet.

Wichtigste Regel für eine Gewichtsreduktion ist und bleibt die Einschränkung der Kalorien- und Fettzufuhr. Dies ist nach wie vor die einzige Methode, mit der man auf Dauer Gewicht verliert. Alkohol ist sehr kalorienreich und sollte beim Abnehmen möglichst vermieden werden. Ein Deziliter Wein enthält 10-12 g Alkohol und 70-84 kcal. Allein ein halber Liter Wein liefert also schon 350-420 kcal.

Im heutigen reichhaltigen Nahrungmittelangebot finden sich immer mehr Produkte, die speziell für Diabetiker und Diabetikerinnen gedacht sind ("diabetic food"). So sind beispielsweise Light-Getränke mit Süssstoffen gesüsst, so dass der Blutzucker weniger beeinflusst und Kalorien eingespart werden. Allerdings beeinflussen auch Süss- und Zuckeraustauschstoffe den menschlichen Stoffwechsel. Welche Auswirkungen der Konsum von Süssungsmitteln hat, ist gerade bei neueren Produkten oft nicht restlos geklärt. Daneben gibt es auch Diabetes-Süsswaren, die als "für Diabetiker geeignet" deklariert sind, aber einen Kalorien- und Fettgehalt haben, der einer "normalen Schoggi" kaum nachsteht. Für Diabetiker bringen sie daher keine Vorteile.

Die Grundlage einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist die ausführliche Information und Beratung unter Einbezug der ganzen Familie oder Lebensgemeinschaft. Lassen Sie sich daher eingehend und fachgerecht in einer individuellen Ernährungsberatung informieren. Nehmen Sie sich für einige Beratungen sowie eine jährliche Aktualisierung Zeit. Ernährungsberaterin und Arzt / Ärztin schlagen vor, wieviel Energie Sie täglich konsumieren sollten. In der Ernährungsberatung werden die Nährstoffe unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Bedürfnisse so verteilt, dass grössere Blutzuckeranstiege vermieden werden können.

Doch nicht nur die Auswahl der Nahrungsmittel, sondern auch deren Zubereitung ist entscheidend. So enthalten beispielsweise 2 dl Apfelsaft gleichviel Zucker und Zuckerarten wie ein Apfel von 200 g, erhöhen den Blutzucker aber schneller und lassen ihn höher ansteigen, und die stärkereichen Spaghetti geben weniger Blutzucker als Brot. Dies beruht auf der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Blutzuckerbeeinflussung (Glykämischer Index). Auch eine vollwertige, nahrungsfaserreiche Ernährung verlangsamt den Blutzuckeranstieg nach dem Essen. So werden extreme Blutzuckerspitzen und -schwankungen vermieden. Vollwertige Ernährung gilt als vorteilhaft zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, z. B. Herzinfarkt oder Bluthochdruck. Während der letzten Jahrzehnte sind diese Ernährungsempfehlungen - viel faserreiche Kohlenhydrate, bewusst fettarme Kost und sparsamer Alkoholgenuss - als Ernährungsgrundlage nicht nur für alle Diabetestypen sowie zur Prävention von Stoffwechselkrankheiten übernommen worden, sondern sie werden allen empfohlen, die sich gesund ernähren möchten (Vollwerternährung - wertvoll für alle Buchbestellung). Generell lässt sich sagen, dass eine Ernährung mit viel Gemüsen und Früchten für eine gute Versorgung mit Vitaminen und Antioxidantien besonders wichtig ist. Täglich 500 g Gemüse und Früchte bewahren Arterien und Herz vor schädlicher Oxidierung: Sie "verrosten" und "verkalken" weniger. Rauchen ist dagegen nicht nur für Diabetiker und Diabetikerinnen schädlich!

Zur Umsetzung in die Praxis kann ein Verteilersystem der verschiedenen Kohlenhydrate, Eiweisse und Fette benutzt werden, mit dem Sie Ihren Menüplan individuell gestalten können. Bewährt hat sich in der Deutschschweiz seit den 60-er Jahren ein 10g-Wertesystem, welches die Nahrung in 10g-Kohlenhydrat-, Eiweiss- und Fettportionen angibt: 1 Wert eines beliebigen Produktes enthält immer 10g Kohlenhydrate bzw. Eiweiss bzw. Fett und wird als Gewichtsportion für die wichtigsten Nahrungsmittel in Austauschlisten aufgeführt. In der deutschsprachigen Schweiz werden Kohlenhydrate neben den Brotwerten (BW) weiter in Obst-, Gemüse- und Milchwerte (OW, GW und MW) unterteilt. Es gibt Ernährungspläne (z.B. e-plan.Teuscher, e-plan.Ernährungssystem), die Ihnen helfen, im Alltag eine gesunde und ausgewogene Ernährung umzusetzen. Sie enthalten Anregungen und Menüpläne.

 

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